Bilderklau

Das Thema Bilderklau wird in Fotografenkreisen immer wieder heiss diskutiert. Weil es gerade wieder aufschwappt, möchte ich nun auch meine Gedanken dazu niederschreiben und womöglich weiter Öl ins Feuer giessen.

Der Bilderklau im Internet unterscheidet sich zum Bilderklau im wahren Leben, der echten physikalischen Welt, darin, dass ich den Diebstahl im Internet wohl kaum jemals bemerken werde. Denn offensichtlich ist der Diebstahl für mich nicht: Da ragt kein einsamer Bilderhaken aus der Wohnzimmerwand, wo vorher mal ein Bild hing. Meine Bilder verschwinden durch den Diebstahl nicht von meiner Homepage. Die Auswirkungen des Diebstahls beschränkt sich vielmehr auf die illegale Nutzung einer digitalen Kopie meines Bildes.

Anders als in der analogen Welt unterscheidet sich eine digitale Kopie nicht von ihrem Original. Wenn Original und Kopie sich aber gleichen wie ein Ei dem anderen: Könnte da ein dreister Dieb nicht behaupten, es wäre sein Foto und ich hätte es entwendet? Davor muss man sich nicht fürchten. Denn jede Kamera, auch wenn es ein Serienprodukt ist, weist einzigartige Merkmal (Pixelfehler etwa) auf, die jedes gemachte Bild zieren. Wenn man also nachweisen kann, dass einem die Kamera gehört bzw. zum Zeitpunkt der Aufnahme gehörte, ist man aus dem Schneider. Üblicherweise verbreitet man seine Bilder im JPEG Format und besitzt – im Gegensatz zum Dieb – auch noch die RAW Datei.

Warum ist Bilderklau überhaupt bei so vielen Hobby-Fotografen ein Dauerthema? Es ist doch so: Wer seine Bilder öffentlich im Internet präsentiert, geht ganz bewusst dieses Risiko ein. Es ist immer eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko. Früher zeigte man seine Bilder in kleinem Kreis Freunden und Familie. Heute teilt man sie bereitwillig mit der ganzen Welt. Nicht wenige Fotografen versehen ihre schönsten Bilder mit einer sichtbaren Signatur oder einem Wasserzeichen, um potenzielle Diebe abzuschrecken. Doch sind sie dezent auf den Bildern angebracht, kann ein Dieb diese ohne grossen Zeitaufwand wieder verschwinden lassen, indem er sie etwa wegstempelt oder das Bild etwas beschneidet. Sind Signatur bzw. Wasserzeichen hingegen deutlich erkennbar, schreckt dies nicht nur Diebe ab. Es zerstört schlichtweg die Wirkung des Bildes, lenkt vom eigentlichen Bild so sehr ab, dass keine Freude beim Betrachten mehr aufkommen kann. Wie beim Titelbild. Die schöne Stimmung wird total zerstört.

Julia sieht in der Signatur eines Bildes noch einen anderen Aspekt, wie sie auf Facebook geschrieben hat:

Mein Opa hat mir dann erzählt, wenn ein Künstler zufrieden ist mit seinem Bild & er nichts mehr daran ändern möchte ist die Unterschrift wie ein letzter Schritt. Es zeigt, dass der Künstler zu seinem Werk steht, unabhägig von jeder Kritik.

Heute, wenn ich ein Bild bearbeite, soll meine Unterschrift mein Bild vollenden & deswegen nutze ich gerne eine Signatur unter meinen Bildern.

Generell kann man sich vor Bilderklau im Internet einfach nicht schützen. Es gibt technische Möglichkeiten, den Diebstahl zu erschweren, aber das ist und bleibt ein Tauziehen, dass man nicht immer für sich entscheiden kann. Mit der Veröffentlichung im Internet trifft man vielmehr eine Grundsatzentscheidung: Bedeutet mir ein Bild so viel, dass ich einen Diebstahl nicht verkraften könnte, dann gehört dieses Bild schlicht nicht ins Internet! Da nützt es auch wenig, dass Recht auf seiner Seite zu wissen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und natürlich kann jeder seine Rechte geltend machen, den Diebstahl anzeigen, Unterlassungserklärungen und Schadenersatz fordern. Theoretisch. Recht haben und Recht bekommen ist nicht immer dasselbe. Wenn das geklaute Bild auf einer russischen Webseite auftaucht, wird es schwierig bis unmöglich mit dem Einklagen. Und auch sonst geht man immer in Vorleistung bei allen Kosten und bleibt ggf. auf diesen sitzen, wenn sich nämlich herausstellt, dass der Dieb zahlungsunfähig ist. Bei Hobby-Fotografen stellt sich ohnehin die Frage, welcher Schaden eigentlich entstanden ist. Hohe Summen wird man nicht erstreiten können. Somit steht der ganze Aufwand in keinem Verhälnis zum Ertrag.

Sollte man als Hobby-Fotograf den Diebstahl nicht viel lockerer, vielmehr als Kompliment sehen? Aus zig millionen im Internet verfügbaren Bildern wurde ausgerechnet meines gestohlen! Wow, irgendwas mache ich wohl richtig! Könnte man sich sagen…

Interview mit Uwe

Einer, der es richtig macht, ist Uwe Schöneshöfer. Mit ihm habe ich über das Thema Bilderklau gesprochen, denn ihm wurden gleich mehrere Bilder geklaut.

Tim: Uwe, Dir wurden schon mehrere Bilder im Internet geklaut. Wie hast Du den Diebstahl überhaupt bemerkt?

Uwe: Ein Freund hat mich auf einer Feier darauf hingewiesen das er mein Bild auf einer Internetseite einer grossen deutschen Volkspartei gesehen hätte. Ich fiel erstmal aus allen Wolken als ich es sah, da ich mich nicht erinnern konnte das freigegeben zu haben. Darauf hin habe ich mit der Google Bilder Suche für das gleiche Bild noch einen Fall entdeckt.

Tim: Was waren das für Bilder? Ich kenne Dich als Potraitfotografen.

Uwe: In dem Fall ging es um ein Familien Shooting und das Bild zeigt im Hauptmotiv den jüngsten Spross der Familie. Netterweise wurde das Bild auch noch so beschnitten, dass das Wasserzeichen wegfiel!

Tim: Ah, das ist ja spannend! Und die grosse Volkspartei hat dieses Foto ungefragt verwendet? Was hast Du dann gemacht? Hast Du sie kontaktiert oder bist Du direkt zu einem Anwalt?

Uwe: Genau! Der Flickr Name stand zwar unter dem Bild, dort hatte ich mir jedoch alle Rechte vorbehalten. In anbetracht der Grösse des Gegners habe ich mich in dieser Sache entschieden, das ganze meinem Anwalt zu übergeben.

Tim: Man darf davon ausgehen, dass die Verantwortlichen wussten was sie taten. Wie ging es dann weiter? Haben sie das Bild von ihrer Webseite entfernt?

Uwe: Ja, es war ihnen wohl bewusst was sie taten. Die Seite wurde darauf hin sofort gelöscht und mir gegenüber wurde eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Tim: Nutzt Du die Google Bildersuche generell für alle Deine Fotos? Also schaust Du jetzt regelmässig nach, ob sich jemand an Deinen Fotos bedient hat oder ist Dir das nicht so wichtig?

Uwe: Ab und an schaue ich schon einmal stichprobenartig ein paar Bilder auf Flickr durch, um zu kontrollieren, dass sie nicht gewerblich genutzt werden. Gerade meine TFP Bilder stehen für gewerbliche Nutzung gar nicht zur Debatte. Wenn man mich fragt, stelle ich auch unter bestimmten Bedingungen gerne mal ein Bild zur Verfügung für einen nicht gewerblichen Blog. Ein Freund sagte zu mir: “Warum stellst Du Dich so an, sie haben doch Deinen Namen genannt”. Daraufhin entgegnete ich: “Also wenn ich jetzt Dein Auto klaue und schreib Deinen Namen drauf, ist das in Ordnung!?”

Tim: Schon aus Prinzip hätte ich es bei einer gewerblichen Nutzung wohl auch so gemacht. Gab es für den ganzen Ärger denn auch eine finanzielle Entschädigung? Du verwendest ein auffälliges Wasserzeichen in Deinen Bildern. Soll das dem Bilderklau vorbeugen oder ist es als Werbung für Deine Fotografie gedacht?

Uwe: Ich hatte es nicht darauf angelegt, um es nicht zu verkomplizieren. Mir ging es darum, dass das Bild möglichst schnell von deren Seite verschwindet. Da es für mich Hobby ist, ist mir ausser dem Ärger bisher kein wirklicher Schaden entstanden. Wenn ich selber abmahne handhabe ich es so, dass ich auf das Gewissen appeliere und das man doch, wenn man sich jetzt schon die Anwaltskosten spart, doch bitte eine Summe X an ein Tierheim spenden solle. Ich sehe das Wasserzeichen eher als Wiedererkennungswert, da ich doch sehr durch die Sujets springe.

Vielen Dank Uwe für das Interview.

Mit der Google Bildersuche kann man zum einen feststellen, auf welchen Seiten ein bestimmtes Bild verwendet wird, und damit den einen oder anderen Dieb entlarven. Zum anderen kann man die Bildersuche aber auch für kreative Zwecke verwenden, um gleichartige Bilder zu finden, die ähnliche Motive, ähnliche Farben und eine ähnliche Stimmung verwenden. Daneben gibt es noch weitere Anbieter, die mir im Rahmen der Recherche für diesen Blogartikel untergekommen sind, etwa TinEye oder Plaghunter, die ich selbst aber nicht getestet habe.

Interview mit Holger

Auch mit Holger Dankelmann habe ich über Bilderklau gesprochen, denn auch er gehört zum Kreis der Betroffenen.

Tim: Holger, Dir wurde schon mal ein Bild im Internet geklaut. Wie bist Du dem auf die Schliche gekommen?

Holger: Ich wurde aus eine Facebook-Gruppe rausgeworfen, weil ich angeblich ein geklautes Bild verwenden würde. Aber es war umgekehrt. So fing es an.

Tim: Und wie hast Du Deine Unschuld bewiesen?

Holger: Indem ich die kompletten Exif-Daten hatte, das reichte als “Alibi” aus. Wobei ich nicht wieder in diese Facebook-Gruppe zurück gekehrt bin. Ich wurde zu schnell ohne Rückfrage vorverurteilt.

Tim: Du exportierst beim JPEG nicht alle Exif-Daten? Konntest Du den Dieb identifizieren und zur Rede stellen?

Holger: Ich konnte ausserdem den genauen Ort beschreiben wo ich die Aufnahme gemacht habe. Der Dieb wurde von mir angeschrieben und zur Rede gestellt. Da es eine spanische Webseite war, stellte das sich nicht ganz so einfach dar. Habe den Betreiber in Englisch angeschrieben. Er war einsichtig und hat mir einen Schadenersatz von 100 Euro gezahlt und das Bild von der Webseite genommen.

Tim: Oh, da hast Du ja Glück im Unglück gehabt. Wenn der Dieb im Ausland sitz, kann man mit rechtlichen Mitteln nur schwer etwas erreichen. Wurde das Bild kommerziell verwendet?

Holger: Das stimmt. Der Betreiber verneinte das, aber er vertrieb über die Seite seine Bücher, also für mich klar kommerziell.

Tim: Nutzt Du die Google Bildersuche oder andere Dienste, um gestohlene Bilder von Dir ausfindig zu machen?

Holger: Hatte erst angefangen über die Google Bildersuche fündig zu werden, was aber sehr mühsam ist. Dann habe ich Plaghunter ausprobiert und war überrascht wie viele von meinen Bildern anderweitig genutzt wurden. Nach der Testphase habe ich aber den Dienst nicht weiter genutzt. Zwischenzeitlich bin ich am überlegen, ob ich mir anwaltliche Hilfe holen werde.

Tim: Es wurden also noch andere Bilder gestohlen? Du verwendest ein unauffälliges Wasserzeichen in Deinen Bildern: Ein kleiner Pilz. Soll das dem Bilderklau vorbeugen oder ist es als Wiedererkennung Deiner Fotografie gedacht? Und wieso ein Pilz? Welche Bedeutung hat der?

Holger: Ja es wurden noch andere Bilder anderweitig genutzt/angeboten. Mein kleines Wasserzeichen ist mein persönliches Logo. Es ist kein “Pilz”, auch wenn es so ausschaut. 😉 Wenn man es vergrössert, sieht man meine Unterschrift unten stehen und wenn man den “Pilz” 90 Grad nach rechts dreht, ist es ein großes H und D, die aneinander sitzen. Also meine Initialen 🙂

Tim: Ahh, der Groschen ist gefallen. Das ich das erst nach Jahren erfahre! Wenn Dir so viele Bilder gestohlen werden, machst Du einfach zu gute Bilder. Schon mal daran gedacht mehr aus dem Hobby Fotografie zu machen?

Holger: Na klar habe ich schon mal daran gedacht das Hobby nebenberuflich oder auch hauptberuflich zu betreiben. Aber da ich keine People-Fotografie (Hochzeiten usw.) mache, ist es schwer mit meiner Art der Bildkomposition den einen oder andere Euro zu verdienen. Stockfotos z.B. bringen nur bedingt etwas Geld. Fotos wurden zwar schon in Printmedien abgedruckt, aber unentgeltlich mit Namensnennung. Mehr war noch nicht drin.

Tim: Verwendest Du neben Deinen sichtbaren Initialen noch andere Techniken, um Deine Bilder zu brandmarken? Unsichtbare Wasserzeichen zum Beispiel?

Holger: Nein.

Tim: Letzte Frage: Deine Initialen bringst Du sehr dezent im Bild unter. Wenn Du andere Bilder betrachtest, wie stehst Du zu deutlich sichtbaren Signaturen bzw. Wasserzeichen?

Holger: Zu große Signaturen verschandeln das Bild, meiner Meinung nach. Ich kann zwar die Fotografen verstehen die so versuchen ihr Bild zu schützen, aber das Foto verliert einfach seinen Reiz es anzusehen. Entweder klein/unscheinbar/unsichtbar, oder auch gar keins. Im Zuge der heutigen Bildbearbeitungsprogramme ist auch ein großes Logo keine Garantie das dieses Foto geschützt ist, leider.

Vielen Dank Holger für das Interview. Kurze Zeit nach unserem Gespräch hat Holger ein Musikvideo entdeckt, in dem eines seiner Bilder permanent gezeigt wird. Auch hier wurde er nicht kontaktiert und um Erlaubnis gefragt oder wenigstens namentlich erwähnt. Das Video trifft jetzt zwar nicht unbedingt meinen Musikgeschmack, wurde aber in den 22 Tagen, als es bei Youtube online ging, schon knapp 33.000 mal angesehen.

 

 

Mein Fazit

Die zielgerichtete Suche nach Bildern ist in den letzten Jahren sehr viel besser geworden und Suchmaschinen liefert zu fast jeder Suchanfrage wenigstens eine Handvoll Ergebnisse. Da ist die Versuchung oft zu gross, das Bild gleich zu kopieren und keine Zeit mit Fragen zu Nutzungsrechten zu verschwenden. Für betroffene Hobby-Fotografen ist das mehr als ärgerlich, gerade wenn ihre Bilder kommerzielle Verwendung finden. Dabei ist die Suche nach freien Bildern bei vielen Suchabfragen schon jetzt möglich, man muss es nur machen und damit sich und anderen viel Ärger ersparen.

Was ist eure Meinung zu Bilderklau, eure Erfahrungen? Schreibt es gern in die Kommentare.

2 Gedanken zu “Bilderklau

  1. In den letzten 10 bis 15 Jahren ist der kommerzielle Wert von Fotos immer weiter gesunken. Damit einher geht bei vielen Bildnutzern (und da würde ich jetzt auch die große Volkspartei nicht ausschließen) das Gefühl, man könnte Bilder aus dem Internet ganz einfach kostenlos nutzen. Das die rechtliche Situation anders ist, interessiert dabei wenig.

    Früher oder später ist sicherlich jeder vom Bilderklau betroffen. Wir exportieren daher immer sämtliche EXIF-Daten, denn insbesondere wenn kein Copyright Vermerk zu finden ist, kann es in einigen Ländern sein, dass ein potentieller Nutzer die Fotos tatsächlich kostenfrei nutzen darf (Orphan Works Legislation). Zwar kann man niemanden daran hindern, den Copyright Vermerk zu entfernen, aber das setzt dann kriminelle Energie voraus. Das sollte auch bei Menschen, die den rechtlichen Hintergrund nicht kennen, eine gewisse Hemmschwelle sein.

    Zu Wasserzeichen habe ich auch ein ambivalentes Verhältnis. Die Fotos auf unserer Website haben dennoch eins. Ich denke schon, dass man die gestalterische Qualität eines Fotos auch mit Wasserzeichen beurteilen kann. Aber zugegebe: Schön ist es nicht!

    Wir haben bisher nur einen Fall von Bilderklau wirklich verfolgt. In den meisten Fällen hätte der der finanzielle und organisatorische Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zur möglichen Entschädigung gestanden.

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