Projekt: Antarktis

Wann wurdest Du das letzte Mal mit einem Sektempfang begrüsst? Bei mir war es der Sonntag.

Ich ging zur Abendkasse, holte mir meine Karte und suchte im einzigen Kinosaal einen freien Platz. Das Film-Service-Kino Jever lässt mich an meine Kindheit erinnern: Sitzreihen mit kleinen Ablageflächen, auf denen Lämpchen stehen und sich kleine runde Knöpfchen befinden, die die Bedienung herbeieilen lässt. Im Kino ein Verkaufstresen mit einer kleinen Auswahl an Snacks und Getränken. Das Kino meiner Kindheit gibt es schon lange nicht mehr. Aber dieses hier scheint aus einer ähnlichen Zeit zu stammen und konnte neben den grossen Filmtheatern bestehen, weil sich der Verein Filmpalette Jever für den Erhalt stark macht und sich die Betreiber liebevoll darum kümmern.

Zum Film hatte ich nur zwei Informationen. Den Titel: “Projekt: Antarktis – Die Reise unseres Lebens“. Und einen Vermerk: “Die Filmemacher sind anwesend!“. Okaaay. Interessant. Und das in der kleinen Stadt Jever. Nicht etwa in Berlin. Als die Vorstellung eigentlich beginnen sollte, trat der Betreiber des Kinos vors Publikum und verkündete: Die Filmemacher seien noch von einer anderen Vorführung auf dem Weg und man wolle ihnen einen ausreichend grossen Vorsprung verschaffen, damit sie es rechtzeitig zum Filmende schaffen hier zu sein.

Worum es im Film geht? Erfährst Du im Trailer.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=ononaj-0-Yw

 

Die drei jungen Filmemacher aus Bremerhaven sind gleichzeitig die Akteure des Films und berichten von ihrem Abenteuer in die Antarktis zu fahren, um dort einen Film zu drehen, der später im Kino gezeigt werden soll. Ohne Produktionsfirma im Rücken, ohne Auftraggeber. Ein sehr gewagtes Abenteuer, könnte man sagen. Ein Jahr planten sie ihre Reise und machten im November 2017 tatsächlich Ernst: Mit zehn Kisten voller Equipment begaben sie sich auf den 14000 km weiten Weg in die Antarktis.

Der Film ist unheimlich spannend, wenngleich schwere bis mittelschwere Katastrophen dafür sorgten, dass am Ende nicht der geplante Film dabei herauskam. So entstand ein Making Of der Reise, mit wirklich tollen und kinotauglichen Aufnahmen. Und richtig guter Musik.

Dieser Film ist ein Appell, für seine Träume zu kämpfen, auch wenn sie noch so weit entfernt und unerreichbar scheinen, wie einen eigenen Kinofilm in der Antarktis zu drehen. Er soll Mut machen seinen eigenen Weg zu suchen, keine Furcht vor einer Kehrtwende aus Überzeugung zu haben und sich erst recht nicht von außen a lá “mach doch lieber was vernünftiges” ausreden zu lassen. Die Antarktis ist dabei nur ein Sinnbild, eine Metapher. Etwas, wofür wir brennen, was unerreichbar erscheint, eine gemeinsame Vision. Das ist sehr individuell, und wir haben diesen Film gedreht, damit die Zuschauer danach Ausschau halten nach ihrer eigenen „Antarktis“, was auch immer das sein mag.

Nach dem Film gab es einen grossen und langen Applaus und die Filmemacher Tim und Dennis gaben noch einige Details ihrer Reise preis und beantworteten Fragen aus dem Publikum. Der dritte Filmemacher war leider erkrankt und fehlte daher.

Ins Staunen gerieten die beiden, als eine Frau aus dem Publikum erzählte, dass sie vor vielen Jahren mit der Bremen ebenfalls in der Antarktis unterwegs war und ihnen einen Tipp gab, mit welchem Medikament sie die Seekrankheit besser behandeln können. In der stürmische Drake Passage, deren Überquerung jeweils mehrere Tage dauerte und hoher Wellengang herrschte, hatten doch einige mit der Seekrankheit zu kämpfen und die verabreichten Medikamente hatten so ihre Nebenwirkungen. Die beiden berichteten darüber, dass manchmal sogar Passagiere in Kabinen eingeschlossen werden müssten, weil das ständige hin- und herschaukeln des Schiffes suizidale Gedanken auslösen kann.

[ Alle Bilder stammen, mit freundlicher Genehmigung, von “Projekt: Antarktis” ]

Derzeit touren die Filmemacher durch Deutschland und zeigen ihren Film in einer Preview-Tour. Ab dem 25. Oktober 2018 ist der Film dann deutschlandweit in den Kinos zu sehen. Auch wenn Dokumentarfilme eher nicht die grossen Publikumsmagnete sind, ist dieser “norddeutsche” Film auf jeden Fall sehenswert und sehr unterhaltsam. Weitere Informationen zum Film findest Du auf der Projektseite und bei Facebook.

 

Fotomarathon Hamburg

Am 9. Juli 2016 fand der nunmehr fünfte Fotomarathon in Hamburg statt, an dem diesmal auch ich teilgenommen habe. Veranstalter ist der Verein für Objektive Ansichten, der die Foto- und Videografie sowie literarische Arbeiten als künstlerisches Ausdrucksmittel fördern möchte. Der Startschuss fiel morgens um 10 Uhr, woraufhin sich 180 hoch motivierte Fotografen auf Motivsuche begaben.

Bei dem Fotomarathon waren nicht nur Kreativität und fotografisches Können gefragt, sondern auch Durchhaltevermögen. Denn der Fotomarathon sollte ganze 12 Stunden andauern, in drei Etappen à vier Stunden. Nach jeder Etappe traf man sich an einem zuvor mitgeteilten Treffpunkt und erhielt dort die nächsten acht Unterthemen mitgeteilt. Insgesamt sollten bis zum Ende des Tages also 24 Einzelfotos entstehen. Das Rahmenthema Die Stadt ist Deine Bühne! sowie die Unterthemen waren bis zum Veranstaltungstag nicht bekannt, somit konnte man sich im Vorfeld auch nicht darauf vorbereiten. Die Fotos mussten allesamt in der richtigen Reihenfolge aufgenommen werden. Und alles out of the camera – eine Nachbearbeitung war nicht erlaubt.

Unterwegs war ich mit meiner vier Jahre alten Sony RX100 Mark I. Hierfür hatte ich mir extra noch kurz vor dem Termin zwei Ersatzakkus bestellt. Doch tatsächlich hatte ein Akku gereicht und das Display zeigt jetzt sogar noch immer voll an! Das hat mich wirklich erstaunt, da ja mit jedem ein- und ausschalten der Kamera das Objektiv elektronisch ein- und ausgefahren wird. Zudem besitzt die Kamera keinen Sucher, sondern ausschliesslich ein stromhungriges Display. Eine Jury wird nun aus den über 4.000 Einzelfotos die Gewinner ermitteln. Sämtliche Fotos werden am 27. & 28. August 2016 in den Mozart-Sälen in Hamburg ausgestellt. Der Eintritt kostet 3 €.

Jeder Teilnehmer hatte zu Beginn eine Startnummer erhalten, die er immer gut sichtbar mit sich herum tragen sollte. Meine war die 104 und das erste Foto sollte diese Nummer beinhalten. Hier nun meine Fotoreihe. Wünscht mir Glück, vielleicht schaffe ich es ja ins vordere Drittel ;o)

 

Klostergeister

Klostergeister? Für die Ahnungslosen unter euch versuche ich es mal kurz in Worte zu fassen:

In einem Wort: Ausnahmezustand!
Im Sommer eines jeden Jahres finden etwa 20 Hobby-FotografInnen aus allen Himmelsrichtungen (Deutschland, Österreich, Schweiz) zusammen, treffen sich allesamt am Rande eines Dorfes in Baden Würtemberg in einem ehemaligen Frauenkloster, welches als Volkshochschule umfunktioniert wurde, und frönen dort ihrem Hobby. Völlig isoliert von der Aussenwelt, inmitten eines Funklochs, bei Vollverpflegung und mit Schlafunterkünften im Kloster, in komfortbefreiten Zellen – ganz so wie damals. Ohne die Ablenkungen des Alltags beschäftigen sie sich den lieben langen Tag mit nichts anderem als die Fotografie.

Gemeinsam frühstücken, fotografieren, gemeinsam Mittag essen, fotografieren, gemeinsam Abendbrot essen, fotografieren.

Nicht selten auch bis tief in die Nacht hinein: Astrofotografie, Pixel Stick, mitgebrachtes Feuerwerk – es gibt viele Gründe, die Nacht schlaflos zu verbringen. Und wer am Ende des Tages meint, er habe genug fotografiert, der trifft sich mit anderen in der Klosterküche und redet auch dort, wie sollte es anders sein, doch wieder meist über Fotografie. Nicht ausgeschlossen, dass einige ihren Wecker schon sehr früh stellen, um vom Känzele einen einzigartigen Sonnenaufgang mit Einblicken auf das Donautal einzufangen.

Als Norddeutscher hat man hier ganz klar die A…-Karte gezogen, denn Baden Würtemberg liegt am anderen Zipfel Deutschlands. Und so sind mal eben 800 Strassenkilometer vom Heimatort bis zu den Klostergeistern zu bewältigen. Doch diese Strapaze nehme ich gern auf mich, denn es erwartet mich kein anstrengender Workshop, sondern Gleichgesinnte. Also … Verrückte, wie ich es bin :)

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Villawarming die Zweite

Foto von Christopher Rückert

Der Einladung von Moni & Chris zur zweiten Einweihungsparty der Viewfindervilla folgend, habe ich mich am Samstag auf den Weg nach Hannover gemacht. Dort angekommen und kaum aus dem Auto gestiegen, vernahm ich schon ein schrilles Surren. Den Blick nach oben gerichtet war sofort klar: Hier bist Du richtig! Eine Drohne schwirrte über meinen Kopf. Ausgestattet mit einer Kamera, wie sich später herausstellte, filmte sie die Viewfindervilla (inklusive Nahaufnahme der sehr sauberen und vorzeigbaren Dachrinnen), die nährere Umgebung und die Gäste im Garten.

Nach einer herzlichen Begrüssung durch die Gastgeber stellte ich meinen mitgebrachten Kartoffelsalat zu dem schon üppig belegten “Schlemmerbuffet”, machte mir ein Bier auf und begrüsste einige bekannte Gesichter, die ich auf meinen bisher besuchten Happyshooting Workshops kennengelernt habe: Anna, die von sehr weit – aus Wien – angereist ist, Mark und Uwe, die beide mit mir am 365 Fotos Projekt teilnehmen.

Später am Abend gab es ein privates Live Konzert von Jørgen Lang, dem beinahne-Friesen aus Oldenburg, welches durch Chris live via Internetstream übertragen wurde und nicht nur bei den Anwesenden für Begeisterung sorgte, sondern auch auf Periscope für reichlich positive Kommentare und hoch fliegende Herzen.

Vielen Dank an die Gastgeber für diesen schönen Abend!
Vielen Dank auch an Chris Rückert dafür, dass ich sein Kopterfoto hier verwenden darf!